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PR will gelernt sein… Web 2.0 vs. DB

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Wer mich kennt weiß möglicherweise, dass ich den Begriff Web 2.0 nicht leiden kann. Dennoch steht er oben im Titel dieses Beitrags.

Web 2.0 ist dennoch falsch, denn längst hat sich das Thema so weit ausgebreitet, dass auch normalerweise völlig webfreie Berufsgruppen damit auseinander setzen müssen - und diejenigen, die sowieso nicht ums Netz rumkommen sich damit auf eine Weise auseinander setzen müssten wie es in einem konservierten konservativen Unternehmen wie der Deutschen Bahn schlichtweg nicht möglich ist.

Die Deutsche Bahn hat ja nun wirklich momentan genug Probleme Kernkompetenzen. Pünktlichkeit, Diskretion Datenschutz, übereifrige Rausschmeißer Kundenfreundlichkeit des Personals - um nur mal die offenkundigsten zu nennen.  Nun sollte man eigentlich meinen, wenn man sowieso schon im Rampenlicht steht und jeder auf einem rumhackt, wäre man etwas diskret und ruhig und würde evtl. versuchen sich aus der Affaire zu ziehen. Aber nicht die mutige, unerschrockene Bahn. Die sucht zielstrebig nach dem größten Fettnäpfchen, dass zu finden ist.

Wurde über mir unbekannte Wege ein internes Memo bereits an die Presse geschickt, verhielt sich diese zumindest so diskret und zitierte nur daraus. Das fand die Bahn offensichtlich auch nicht so schlimm oder der Verantwortliche war an dieser Stelle noch bei Sinnen und wollte sich mit den klassischen Medien nicht anlegen. Das selbe Memo erhielt aber auch Markus Beckedahl von Netzpolitik.org und veröffentlichte es unzensiert im Netz. Kaum jemand interessierte sich dafür, zumindest solange bis die Bahn es für notwendig erachtete ihn deswegen abzumahnen.

An dieser Stelle an alle PRler denen das jetzt noch nicht klar ist: Tut es nicht. Selbst ein relativ unbekanntes Blog rückt aus Sympathie bei Abmahnungen ganz plötzlich in die Mitte der Aufmerksamkeit vieler. Was ihr eigentlich verhindern wolltet verbreitet sich durch das gesamte Netz und kann NIE WIEDER vollständig entfernt werden.

Es kam wie es kommen musste - Markus twitterte und bloggte darüber - und Netzpolitik.org ist nicht irgend ein Blog, sondern eines des best besuchten und bekanntesten Weblogs Deutschlands. Es dauerte nicht lange und zig Blogs schrieben darüber, Markus wurde interviewed und einige Internet Zeitungen - nicht nur aus Deutschland - berichteten eifrig darüber. Selbstverständlich wurde das Dokument inzwischen unter anderem bei Wikileaks hochgeladen. Sowas nennt man Streisand Effekt - wenn der versuch etwas verschwinden zu lassen zu einem riesigen Medienecho führt. Das ist typisch für das Internet von heute.

(Wer den Absatz ob der vielen Links nicht gut lesen konnte… sorry, aber ich hätte vermutlich den gesamten Artikel wort für wort verlinken können ohne einen Link doppelt setzen zu müssen, allein via Google News findet man zig Artikel)

Egal wie das nun rechtlich sein mag oder auch nicht - darüber möchte ich nicht entgültig urteilen, ich rechne Markus aber gute Chancen aus - Netzpolitik.org wird dadurch bekannter und beliebter, die Deutsche Bahn hat sowieso kein Image mehr, welches Schaden nehmen kann, insofern dürften sowohl die Schadensersatzansprüche als auch der Schaden relativ gering bleiben… und letztlich wird Markus da wohl aus mehreren Gründen mit einem blauen Auge davon kommen:

a) Die Bahn wird irgendwie auf die von ihr losgetretene Lawiene antworten müssen und das durch rechtliche Schritte zu tun würde alles ja nur noch weiter verschlimmern
b) Er hat Unterstützung durch erfahrene Internet-Anwälte (die bereits die Wikimedia Deutschland vertreten haben)
c) Er hat Unterstützung durch einige politische Parteien (Grüne, FDP, Linke)
d) Im Falle eines Rechtsstreites wurde ihm bereits finanzielle Hilfe zugesagt
c) Wenn auch in den USA, so wurden doch bereits gerichtliche Verfügungen aufgehoben, weil deren Erfolg im Streisand-Effekt verlief

Schließlich und endlich bleibt nur zu sagen:

Niemals einen Blogger abmahnen um irgend etwas aus dem Internet verschwinden zu lassen, das Ergebnis wird immer ein anderes sein, als das was man sich wünscht und der Blogger ist danach eventuell ein paar tausend Besucher reicher - pro Tag. Wohl gemerkt danach, für die Zeit in der das Thema angesagt ist, kann man in Extremfällen wie diesem mit hunderten Besuchern pro Minute und noch mehr rechnen.

Nebenbei bemerkt ist es völlig unmöglich etwas endgültig aus dem Internet zu löschen, erst recht, wenn es prisant genug ist. Denn dann landet das auf Hunderten von Webseiten, in Tausenden von (Online)-Caches sowie auf Millionen von Computern. Von jeder dieser Stellen aus kann es sich theoretisch weiter verbreiten. Und falls man wirklich den Mumm zusammenbringt gegen jeden der das anfang duplizierte vorzugehen, wird sich das nur noch weiter verbreiten. Das Ergebnis kann am Ende nur sein, dass man eine so große Aufmerksamkeit auf das zu löschende lenkte, dass selbst wenn jeder der Aufforderung nachkäme es zu löschen sicher gestellt hätte, dass es jeder der das Internet bedienen kann auch gelesen hat. Schließlich kann auch eine Abmahnung nicht fordern, dass die korrektur binnen sekunden vorzunehmen ist,… allein die Information “Ich wurde abgemahnt” via Blog + Twitter sorgt binnen 80 minuten bei einem Blog wie Netzpolitik dafür, dass das Thema in aller Munde ist, 24h würden reichen um mehrere hunderttausende Mirrors anzulegen. Autsch.

Und weil ich als Blogger mir im gegensatz zum klassischen Jornalisten nicht nehmen lassen muss, völlig frei und subjektiv zu schreiben - und meine subjektiven Gefühle nicht nur durch Wortwahl und Positionierung des Artikels auf der Seite   zum ausdruck bringen kann:

DB, jeder tritt mal in ein Fettnäpfchen, jeder rutscht mal auf ner Bananenschale aus, aber so langsam aber sicher sollte euch das doch mal peinlich sein. Ein Skandal nach dem anderen und die einzige Reaktion ist die, alles unter den Teppich kehren zu wollen. Kommt mal in unserem Jahrtausend an, die Welt hat sich weiter gedreht, seit ihr in der Schule wart, heute hat ein Großkonzern auch ab und zu darauf zu achten, was denn der unbedeutende  Bürger so von sich gibt. Und ggf. mit ihm in direktem Gespräch eine Lösung zu suchen.

Dieser Artikel basiert auf meiner persönlichen Meinung. Nie mehr einen Artikel verpassen: RSS-Feed abonieren

Eine Reaktion zu “PR will gelernt sein… Web 2.0 vs. DB”

  1. Verstand in Gefahr?!

    Ist der Ruf erst ruiniert…..

    Der Skandal um Mitarbeiterüberprüfung bei der Bahn zieht seine Kreise.
    Neben der üblichen Empörung hat eine Internetseite ein "geheimes" Memo der Bahn zu diesem Thema veröffentlicht. Und die Bahn hat nichts anderes zu tun, als den Webs…

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